Anstieg der Syphilis-Fälle in Deutschland

Nachdem die Zahl der Syphilis-Erkrankungen zwischen 2004 und 2008 bundesweit etwa gleich geblieben und in 2009 und 2010 sogar gesunken war, zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) im Jahr 2011 in Deutschland 3689 neue Fälle von Syphilis. Im Vergleich zum Vorjahr 2010, in dem 3033 Syphilis-Fälle gemeldet wurden, ist dies ein Anstieg der Syphilis-Neuinfektionen um 22 Prozent. Die Infektionszahlen haben damit wieder das Niveau von 1986 erreicht und stellen mit einer Inzidenz von jährlich 4,5 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner die höchste Inzidenz seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 dar.

Contributor(s)- (6944333577)Auch in diesem Jahr scheint sich der Trend zu mehr Syphilis-Erkrankungen fortzusetzen. So wurden in den ersten Monaten in 2012 bereits wieder mehr Syphilis-Fälle als in den Jahren zuvor gemeldet. Die genauen Gründe für diese Entwicklung sind bislang unklar. Spekulationen zufolge könnte ein geändertes, sorgloseres sexuelles Verhalten mit vermehrten ungeschützten Kontakten für den Anstieg der Syphilis-Fälle in Deutschland verantwortlich sein. Dies müsste jedoch noch durch Verhaltensstudien bestätigt werden. Ein weiterer möglicher Grund für den Anstieg der Syphilis-Zahlen ist, dass inzwischen öfter getestet wird.

Von Syphilis sind mehrheitlich homosexuelle Männer betroffen. So traten Recherchen des Robert-Koch-Instituts zufolge im Jahr 2011 83,9 Prozent der Syphilis-Infektionen bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, auf. Aber auch unter heterosexuellen Männern und Frauen war ein Anstieg der Syphilis-Fälle zu verzeichnen. Die Zahlen der Syphilis-Erkrankungen schnellten dabei vor allem in den Großstädten mit den größten MSM-Communities hoch und lagen dort weit über dem Bundesdurchschnitt von 4,5 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner. So wurden etwa im Jahr 2011 in Köln 24 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner gezählt. In Frankfurt a.M. waren es 21, in Berlin 18, in München 17,3 und in Hamburg 13,3 Neuerkrankungen.

Der Anstieg der Syphilis-Fälle ist vor allem deshalb besorgniserregend, da bei an Syphilis-Erkrankten auch das Risiko einer Ansteckung mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten höher ist. Die Syphilis-Bakterien schädigen nämlich die Schleimhaut und ermöglichen so dem HIV-Erreger oder anderen Erregern ein leichteres Eindringen. Experten empfehlen deshalb Menschen mit häufig wechselnden Partnern, sich ein- bis zweimal pro Jahr mit einem Bluttest auf Syphilis und auch andere sexuell übertragbare Krankheiten testen zu lassen. Wird Syphilis früh diagnostiziert und behandelt, ist zumeist auch die Therapie erfolgreich.


von Erik Abele. 30.07.2012