HIV-Prävention mit PrEP – Was kann die neue Methode?

Im Oktober 2016 wurde ein neues Medikament zur Vorbeugung einer HIV-Infektion in Deutschland zugelassen. Personengruppen, die ein hohes HIV-Ansteckungsrisiko haben, sehen eine Revolution. Allerdings boomen wegen der hohen Kosten des Medikaments gleichzeitig die Preise auf dem Schwarzmarkt.

Auch wenn es noch praktische Hemmschwellen für PrEP gibt – insbesondere die hohen Kosten, die Interessierte selbst tragen müssen –  möchten wir Ihnen einen Überblick über diese neuartige Methode geben, und auch erläutern, wer davon profitieren könnte.

Was ist PrEP überhaupt?

PrEP bedeutet Prä-Expositions-Prophylaxe, also soviel wie “Vor-Risiko-Vorsorge”, und bezieht sich auf die tägliche Einnahme des Medikaments, um einen dauerhaften Schutz vor einer HIV-Ansteckung zu erzielen. Während PrEP also die Methode bezeichnet, ist Truvada das eigentliche Medikament, das Ende 2016 zur HIV-Prävention zugelassen wurde. Das Präparat stoppt die Vervielfältigung von HI-Viren in den Immunzellen – gelangen die Viren in den mit PrEP geschützten Körper, können sie sich nicht vermehren und es erfolgt keine Infektion.

Bei regelmäßiger Einnahme erreicht PrEP mit über 90% eine ähnliche Schutzwirkung gegen HIV wie ein Kondom und kann so wirksam eine Ansteckung vermeiden. 2016 ist nach Angabe der Deutschen STI-Gesellschaft (STI = sexually transmitted infections, d.h. sexuell übertragbare Krankheiten) die HIV-Ansteckungsrate in London durch die zunehmende Verbreitung von PrEP um 40-50 % zurückgegangen (Quelle siehe unten).

Wesentliche Nebenwirkungen sind für PrEP bislang nicht bekannt. Bekannt ist allerdings eine verschlechterte Leistungsfähigkeit der Nieren, die sich jedoch nach dem Absetzen des Präparats wieder normalisiert.

Allerdings – das ist dringend zu beachten! – verhindert PrEP nicht die Übertragung aller anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. So bleibt die Verwendung von Kondomen weiterhin die sicherste und zugleich günstigste Methode, um Geschlechtskrankheiten zu vermeiden.

prep HIV

Für wen wäre PrEP interessant?

Grundsätzlich könnten sich Menschen mit hoher HIV-Ansteckungsgefahr für PrEP interessieren. Zu dieser Risikogruppe gehören Menschen, deren Sexualpartner infiziert ist/sind und Personen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben. Besonders groß ist das Risiko bei homosexuellen Männern mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern, da hier häufig Analverkehr praktiziert wird – hier ist die Ansteckungsgefahr deutlich höher als bei Vaginalverkehr.

Obwohl Kondome grundsätzlich ein wirkungsvolles Mittel für umfangreich geschützten Geschlechtsverkehr sind, möchten viele Männer gern darauf verzichten. Sie beklagen vor allem mangelnde Spontanität, aber auch sexuelle Hemmungen, da sie trotz Kondom (es könnte jederzeit reißen) eine HIV-Ansteckung fürchten. Manche Männer leiden bei Verwendung eines Kondoms zudem an Erektionsstörungen.

PrEP eignet sich – wie der Name schon sagt – nur zur Prävention. Auf Personen, die HIV-positiv diagnostiziert wurden, hat Travuda keinen Einfluss. Im Gegenteil: Da das Virus im Körper bei Gabe von Travuda mutieren und gegen den Wirkstoff resistent werden kann, dürfen nur HIV-Negative das Medikament einnehmen.

Wie bezieht man das Medikament?

PrEP gibt es in Deutschland leider bislang nur auf Privatrezept nach negativem HIV-Test. Die Krankenkassen sehen den Schutz vor selbst gewähltem Risiko als Privatsache an und beteiligen sich daher nicht an den Kosten. Diese sind mit rund 800 € pro Monatspackung ein kostspieliges Vergnügen. Während in Frankreich, Schottland und Norwegen die Krankenversicherungen für die Kosten der Medikation aufkommen, ist noch nicht klar, ob sich die Finanzierung über die Krankenkassen auch in Deutschland durchsetzen wird.

Zwar gibt es auch die Möglichkeit, PrEP über das Ausland zu beziehen, doch eine ausreichende Qualitätskontrolle des Medikaments entfällt dann genauso wie eine medizinische Begleitung. Im Endeffekt können Betroffene auf diesem Weg die Wirksamkeit von PrEP nicht sicherstellen.

Im aktuellen Jahr läuft das Patent auf das Präparat ab. Daher besteht eine Chance, dass das Medikament nachgeahmt und auf dem Markt bald ähnliche und damit günstigere Versionen bereitstehen.

Was ist bei der Nutzung von PrEP zu beachten?

Um den durchgehenden Schutz zu gewährleisten, ist die regelmäßige, tägliche Einnahme notwendig. “PrEP bei Bedarf”, also wenige Tage oder sogar Stunden vor einem wahrscheinlichen Risikokontakt, ist derzeit nicht zu empfohlen. Es gibt noch nicht genügend Studien, die ausreichend untersucht haben, wie schnell sich der Schutz durch PrEP voll entfaltet.

Die Einnahme auf Rezept hat auch den Vorteil, dass Betroffenen ärztlicher Rat zur Seite steht. Alle drei Monate können sie sich einem Screening unterziehen, das speziell auf sexuell übertragbare Krankheiten ausgerichtet ist. Der Mediziner kontrolliert dabei auch die Nierenfunktion und die anhaltende Verträglichkeit des Medikaments.

Die regelmäßigen ärztlichen Kontrollen sind wegen der Ansteckungsmöglichkeit anderer Krankheiten gerade bei Geschlechtsverkehr ohne Kondom von großer Wichtigkeit.

Zusammenfassung

PrEP bietet für Risikogruppen einen sehr guten Schutz vor der Ansteckung mit HIV. Durch die ärztliche Begleitung verbessert sich die medizinische Versorgung für diese Personen und deren Sexualpartner, da die Wirksamkeit kontrolliert wird und ggf. auftretende andere sexuell übertragbare Erkrankungen früh erkannt und behandelt werden. Durch PrEP haben die Konsumenten mehr sexuelle Freiheiten bei gleichzeitig höherer Sicherheit.

Demgegenüber stehen die bis jetzt sehr hohen monatlichen Kosten, die das Medikament für die meisten Interessenten – zumindest auf dem empfehlenswerten offiziellen Weg – unerschwinglich machen.

Weitere Informationen zu PrEP erhalten Sie hier:


von Debora Pape. 20.12.2017