Von Gebärmutterhalskrebs, Geschlechtskrankheiten und Impfungen

Was hat denn Gebärmutterhalskrebs mit Geschlechtskrankheiten zu tun, fragen Sie sich? Nun – sehr viel! In diesem Artikel erklären wir den Zusammenhang zwischen Gebärmutterhalskrebs und einer Infektion mit dem humanen Papilloma-Virus (HPV), und wie eine Impfung in frühen Jahren diesen bösartigen Krebs fast gänzlich verhindern könnte.

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste Todesursache durch Krebs bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. In Deutschland erkranken jährlich etwa 5.000 Frauen an dieser Krebsart, 1.600 überleben die Erkrankung nicht. In Deutschland sieht das Gesundheitssystem für Frauen ab 20 Jahren eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen vor – mit einem Abstrich und dem sogenannten Pap-Test können bereits Vorstufen der Krebserkrankung festgestellt werden. Die Behandlung kann dadurch häufig frühzeitig erfolgen, was die Prognose wesentlich verbessert. Pro Jahr finden laut einem kürzlich in der FAZ veröffentlichten Bericht rund 100.000 operative Eingriffe zur Behandlung dieser Krebsvorstufen statt.

Impfung

Eine Geschlechtskrankheit als Ursache für Krebs

Dabei gibt es eine sehr wirksame Präventionsmethode, die 70% aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindern könnte: Eine Impfung!

Die primäre Ursache für die Entwicklung eines Tumors im Gebärmutterhals ist eine sogenannte HPV-Infektion, die sich durch sexuelle Kontakte überträgt. Das humane Papillomavirus (HPV) ist hochansteckend und die meisten Menschen infizieren sich wenigstens einmal in ihrem Leben mit diesem Virus. Selbst Kondome bieten keinen absoluten Schutz, da die Viren sich auch an Bereichen des Genitals befinden können, die nicht von einem Kondom abgedeckt werden.

Bei Männer verursacht eine HPV-Infektion selten ernsthafte Probleme. Auch für Frauen sind die meisten der über 100 HPV-Typen relativ harmlos. Die beiden HPV-Typen 16 und 18 verursachen jedoch eine Infektion, die zu Zellveränderungen im Gebärmutterhals führen. Diese können dann viele Jahre später einen Tumor entwickeln. Tatsächlich lassen sich rund 70% der Gebärmutterhalstumoren auf diese beiden HPV-Typen zurückführen.

Vorbeugende Impfung gegen den HP-Virus

Seit rund 10 Jahren gibt es nun Impfstoffe gegen diese beiden HPV-Hochrisikotypen. Sie wurden vor der Zulassung zehntausendfach getestet und stellten sich als sehr sicher heraus. Mehrere 100 Millionen Dosen des Impfstoffes sind mittlerweile weltweit im Umlauf. Direkt nach der Impfung kann es allerdings – wie bei Impfungen häufig, zu leichten Nebenwirkungen kommen, die sich aber schnell wieder legen. Dazu gehören etwa Rötungen um die Einstichstelle und Schwindel. Der Impfstoff selbst löst keine HPV-Infektion aus und kann die Krebsentwicklung nicht begünstigen. Demgegenüber steht eine durch Studien belegte Wirksamkeit von beinahe 100% gegen die beiden HPV-Hochrisikotypen! Damit wäre die Hauptursache für den Gebärmutterhalskrebs ausgeschaltet.

Die Impfung ist jedoch mit Abstand dann am wirkungsvollsten, wenn sie noch vor dem ersten sexuellen Kontakt durchgeführt wird. Wenn junge Frauen erst einmal mit dem HP-Virus Kontakt habenhatte, bleibt eine spätere Impfung gegen diesen speziellen Typ wirkungslos. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt daher eine Impfung zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. Auch sexuell aktive Frauen können noch davon profitieren – nach dem 26. Lebensjahr ist aber statistisch gesehen eine Impfung nicht mehr sinnvoll. Da  der Impfstoff erst seit zehn Jahren zur Verfügung steht, gibt es noch keine Studien zum Langzeitimpfschutz – es deutet sich aber an, dass der Schutz sehr lange anhält.

Weitere Informationen über die HPV-Impfung zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs finden Sie in diesem Ratgeber der WHO und auf dem Portal der Deutschen Krebsgesellschaft.

Deutschland, deine Impfmuffel!

Wie die FAZ im o.g. Artikel berichtet, wird der Impfschutz auch zehn Jahre nach der Einführung noch von zu wenigen Frauen und Mädchen in Anspruch genommen. Demnach seien weniger als ein Drittel der Mädchen durch die HPV-Impfung geschützt. Seit 2014 übernimmt sogar die Krankenkasse die Impfung. In anderen Ländern, wie Großbritannien, Italien und Australien liegt die Impfrate bei bis zu 80%. Hier ist bereits  eine sinkende Tumorrate zu verzeichnen.

Während in Großbritannien die vorsorgliche Maßnahme durch Impfungen in der Schule erreicht wird, ist offenbar diese Präventionsmöglichkeit gegen Gebärmutterhalskrebs in Deutschland noch zu wenig bekannt. Weiterhin gibt es auch viele Impfskeptiker: Demnach lehnten 13 % der Eltern, die an verschiedenen Grundschulen ausführlich zur HPV-Impfung informiert wurden, die Impfung ihrer Tochter sogar ab. Hier ist also noch viel an Aufklärungsarbeit zu leisten.

Prävention – Die beste Methode gegen Krebs!

Wenn es möglich ist, einer Krebserkrankung effektiv vorzubeugen, sollte man diese Option unbedingt nutzen. Gebärmutterhalskrebs kann lebensgefährlich verlaufen und die Behandlung dieser Erkrankung – oder ihrer Vorstufen – ist immer mit Risiken und vor allem auch psychischem Stress verbunden.

Allerdings sollten Sie bedenken, dass die Impfung sehr effektiv gegen die Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs vorgeht. Dieser Krebs kann sich – allerdings wesentlich seltener – auch durch andere Ursachen entwickeln. Ganz eliminieren kann man diese Krebsform also auch nicht mit der HPV-Impfung.


von Debora Pape. 13.03.2018