Feigwarzen, HPV-Infektion und Krebs


Bei Feigwarzen handelt es sich zwar grundsätzlich um gutartige Hautveränderungen, die keine größere Gefahr für die Betroffenen darstellen. Das Virus, das unter andrem für die Entstehung von Feigwarzen verantwortlich ist, kann jedoch gefährlich werden. Das sogenannte Humane Papillomvirus (kurz: HPV) ist ein weit verbreitetes Virus, das sich in verschiedene Unterarten gliedert und Erkrankungen im Genital- und Analbereich auslösen kann.

Bislang sind rund 150 verschiedene HP-Virentypen bekannt. Je nach Virustyp kann eine Infektion mit dem Virus zu ungefährlichen Erkrankungen wie Feigwarzen führen (Niedrigrisiko-Typen), andere Typen jedoch können Gewebeveränderungen im Genitalbereich verursachen und damit Krebsvorstufen bilden, die sich später zu Krebs entwickeln können (Hochrisiko-Typen).

In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die verschiedenen HPV-Typen, was die Gefahren sind und wie sich Frauen mit einer HPV-Impfung sehr effektiv gegen eine spätere Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs schützen können.

Eine HPV-Infektion betrifft fast alle Menschen

Das HP-Virus überträgt sich über Haut- und Schleimhautkontakte, vor allem beim Geschlechtsverkehr. Ein Kondom bietet keinen 100%igen Schutz, da sich das Virus nicht nur direkt auf Penis und Vagina befinden kann, sondern auch im übrigen Genitalbereich.

Die meisten HPV-Infektionen sind relativ ungefährlich und klingen wieder ab, ohne, dass man überhaupt etwas davon bemerkt hat. Demnach infizieren sich auch (geschätzt) 75-80% aller sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit einer HPV-Erkrankung. Betroffen sind Männer und Frauen gleichermaßen.

Krebserkrankung
© vitanovski

Verschiedene HPV-Typen und ihre Krankheitsbilder

Inzwischen unterscheidet man mehr als 150 HPV-Typen – nummeriert in der Reihenfolge ihrer Entdeckung -, von denen etwa 40 Typen fast ausschließlich über den Haut- und Schleimhautkontakt im Genital- und Analbereich übertragen werden.

Diese über Genitalkontakt übertragbaren HPV-Typen kategorisiert man wiederum, je nach ihrem Potential, Krebs auszulösen, in Niedirigrisiko-HPV-Typen (low risk-Typen) und Hochrisiko-HPV-Typen (high risk-Typen).

Niedrigrisiko-HPV-Typen als Verursacher von Feigwarzen

Niedrigrisiko-HPV-Typen sind die HP-Virenarten, die Feigwarzen und geringfügige Zellveränderungen am Gebärmutterhals auslösen können. Sie gehen nicht mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Krebs einher. Insgesamt gibt es mit den HP-Viren 6, 11, 40, 42, 43, 44, 53, 54, 61, 70, 72, 73 und 81 etwa ein Dutzend Niedrigrisiko-HPV-Typen.

Die Typen HPV 6 und 11, die für die Entstehung von rund 90 Prozent aller Feigwarzen verantwortlich gemacht werden können, stellen dabei die am häufigsten vorkommenden Niedrigrisiko-HPV-Typen dar.

Hochrisiko-HPV-Typen als Verursacher von Krebserkrankungen

Als Hochrisiko-HPV-Typen werden jene HP-Viren bezeichnet, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen und deshalb offiziell als krebserregend eingestuft werden. Hierzu gehören insbesondere die HPV-Typen 16 und 18, für über 99 % aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich sind.

In Jahr lassen sich Tausende Krebserkrankungen in Deutschland auf eine zurückliegende HPV-Infektion zurückführen:

  • über 5000 Fälle von Gebärmutterhalskrebs
  • rund 1500 Fälle von Analkrebs
  • rund 400 Krebserkrankungen an den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen (Vulva)
  • über 300 Tumoren der Scheide (Vagina)

Dazu kommen mehr als 140.000 diagnostizierte Krebsvorstufen am Gebärmutterhals, die rechtzeitig entdeckt werden und einer Behandlung bedürfen. Durchschnittlich vergehen zwischen dem Zeitpunkt der HPV-Infektion und der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs etwa 15-20 Jahre.

Weitere gefährliche Hochrisiko-HPV-Typen sind die HP-Viren mit den Nummern 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59, 68, 73 und 82. Diese Hochrisiko-HPV-Typen werden dabei nicht nur mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, sondern auch mit der Entstehung von Krebserkrankungen des Penis, des Anus, der Vulva und des Mundes in Verbindung gebracht.

Früherkennung beim Gynäkologen

Bei fast allen Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, lässt sich eine Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen nachweisen. Die weltweite Zunahme von Gebärmutterhalskrebs korreliert dabei mit der Zunahme von HPV-Infektionen. Da die Übertragung entsprechender HPV-Typen vorwiegend durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO  Gebärmutterhalskrebs inzwischen sogar als sexuell übertragbare Erkrankung eingestuft.

Frauen, die sich bereits einmal mit HP-Viren infiziert haben und bei denen im Rahmen eines HPV-Tests Hochrisiko-HPV-Typen nachgewiesen wurden, sollten sich regelmäßig Früherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt unterziehen.

Die potenziell Gebärmutterhalskrebs auslösenden Hochrisiko-HPV-Typen lassen sich im Rahmen einer jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung mit dem sogenannten Pap-Test nachweisen. Dieser Test sucht speziell nach den Hochrisiko-Viren, nicht aber nach den Niedrigrisiko-HPV-Typen. Deshalb ist es möglich, dass eine Frau zwar Feigwarzen hat, aber trotzdem einen normalen Abstrich mit einem negativen HPV-Test aufweist.

Der Nachweis einer Infektion mit Hochrisiko-Typen ermöglicht das rechtzeitige Ergreifen von Maßnahmen zur Bekämpfung der HPV-Infektion. Zudem können Präkarzinome am Gebärmutterhals, also Vorstadien bösartiger Tumore, rechtzeitig entdeckt und behandelt werden.


So funktioniert die HPV-Impfung

Früherkennung und HPV-Impfung zur Vorbeugung von Krebs

Darüber hinaus empfiehlt die WHO als vorbeugende Maßnahme eine HPV-Impfung. Diese Impfung sollte im Idealfall vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen und wird daher primär Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Die Kosten für die Impfung trägt die Krankenkasse.

Die HPV-Impfung schützt – je nach Impfstoff – vor einer Ansteckung mit den Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18, die für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Sie kann auch, allerdings weniger effektiv, weiteren Erkrankungen vorbeugen, unter anderem:

  • Feigwarzen
  • Vulvakrebs
  • Vaginalkrebs
  • Analkrebs
  • entsprechende Krebsvorstufen

HPV Impfung
© DOC RABE Media / Fotolia

Eine frühzeitige HPV-Impfung reduziert das Erkrankungsrisiko beträchtlich. In Ländern mit hoher Impfrate konnte die Diagnoserate von Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen deutlich gesenkt werden. Das zeigt sich beispielsweise in Australien mit seinem Schul-Impfprogramm deutlich in den Statistiken.

Die HPV-Impfung lehrt das Immunsystem des Körpers, HP-Viren erfolgreich zu bekämpfen und damit eine Infektion zu verhindern. Damit ist die Hauptursache für die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs ausgeschaltet. Die Impfung ist demnach eine der wichtigsten Krebs-Präventionsmaßnahmen. Dennoch kann sie eine Erkrankung nicht völlig ausschließen, regelmäßige Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sind also auch nach einer HPV-Impfung ratsam.

Für Jungen bzw. Männer, die sich ebenfalls mit HPV infizieren und das HP-Virus auf Frauen übertragen können, ist eine Kostenerstattung derzeit noch nicht vorgesehen.