Herpes: Lippenherpes, Gürtelrose und Genitalherpes.

Herpes

Fast jeder hat es, keiner braucht es. Herpes ist eine virale Erkrankung, die sich am häufigsten in Form schmerzhafter Bläschen an den Lippen zeigt. Fast 90 % aller Männer und Frauen in Deutschland tragen Herpesviren in sich, so schätzen Experten. Während der eigentliche Lippenherpes eher harmlos ist, können seine Verwandten, der Genitalherpes sowie der Herpes Zoster, durchaus für schwere Erkrankungen sorgen.

Herpes labialis
Herpes labialis (Lippenherpes)

Der erste Kuss und dann das: Herpes!

Meist ist es ein erster Kuss, die erste große Liebe, und dank der Aufregung zeigt er sich dann blutrot und mit schmerzhaften Bläschen: der Lippenherpes. Anders als allgemein angenommen ist der Herpes nicht zwangsläufig eine Geschlechtskrankheit. Die Ansteckung erfolgt in der Mehrzahl der Fälle bereits im Baby- oder Kindesalter durch einen Kuss der Eltern. Einmal infiziert, werden Mann und Frau das Virus zeitlebens nicht mehr los. Es schlummert tief im Inneren des Körpers in sogenannten Ganglionzellen des Nervensystems. Stress, Sonnenlicht oder eine erkältungsbedingte Immunschwäche lösen häufig einen Rückfall aus. Dr. Schulte Beerbühl, Dermatologe aus Dortmund, brachte dies einmal sehr treffend auf den Punkt: „Immer wenn der Junge eine neue Freundin mitbringt, wird auch das Herpesvirus wieder aktiv. Es will dann sehr gern auch die Neue kennenlernen.“ Für die Betroffenen dauert es allerdings etwa zwei bis drei Wochen bis es mit dem nächsten Kuss klappt, denn solange brauchen die Bläschen, um abzuheilen.

Woran erkennt man Herpes?

Die Gruppe der Herpesviren umfasst viele verschiedene Viren, die aber eines gemeinsam haben: Sie verursachen mehr oder minder abgewandelte rote Hautbereiche mit charakteristischen und schmerzhaften Bläschen. Die mit Abstand am häufigsten auftretenden Herpesviren sind Herpes Typ I („Lippenherpes“), Herpes Typ II („Genitalherpes“) und Herpes Zoster („Gürtelrose“).

Herpes Typ I und II haben noch eine Besonderheit im großen Reich der Herpesviren. Herpes Simplex Typ I kommt eigentlich vornehmlich im Bereich des Gesichtes vor und verursacht dort die charakteristischen Erscheinungen „nach dem übereifrigen Küssen“. Herpes Simplex Typ II hingegen war bis vor Jahren allein auf den Genitalbereich (Penis, Scheide, After) begrenzt. Aufgrund von einer freizügigeren Anwendung diverser sexueller Praktiken kam es aber nun zu einer Durchmischung der früheren „Siedlungsbereiche“. So ist der ungeschützte Oralsex beispielsweise dafür verantwortlich, dass sich Herpes Simplex Typ I am Genitale findet, wie umgekehrt Herpes Simplex Typ II auch im Mund und an den Lippen.

Die Übertragung der Herpes Viren erfolgt in der Regel über Haut- und Schleimhautkontakte, aber auch mittels Schmierinfektion. Herpes wird durch den direkten Kontakt mit der höchst ansteckenden Flüssigkeit aus den Herpesbläschen weitergetragen. Selbst wenn die Bläschen und Geschwüre wieder verheilt sind, ist die Ansteckung je nach betroffener Stelle immer noch über Speichel, Vaginal- oder Prostatasekret und Sperma möglich. Grund dafür ist, dass die Herpes Viren nach Abheilung der Bläschen in den infizierten Bereichen von Haut und Schleimhaut schlummern. Dennoch ist die Gefahr sich anzustecken bei den aktiven Bläschen sehr viel größer. Die Schmierinfektion meint zudem, dass die Herpesviren beispielsweise bei der gemeinsamen Benutzung von Gläsern übertragen werden. Diese Schmierinfektion ist darüber hinaus ein recht häufiger Weg, über den der Herpes seinen Weg in die Augen findet.  Dort führen die Herpes Viren dann unter Umständen zu Hornhaut- und Bindehautentzündungen. Befinden sich die Herpesbläschen an Lippen oder im Mund, wird die Erkankung auch beim Küssen auf den nächsten / die nächste übertragen.

Wenige Tage nach der Ansteckung bilden sich die kleinen roten Bläschen, die zum einen schmerzen, zum anderen sehr leicht aufplatzen können. Die regionalen Lymphknoten sind nicht selten geschwollen. Die Herpesbläschen heilen unter Krustenbildung nach zwei bis drei Wochen wieder ab. Immunsuppremierte und HIV-Patienten neigen in der Regel auch zu schweren, langwierigen und wiederholten Verläufen. In seltenen Fällen können Herpesviren ebenfalls die Augen befallen, was insbesondere bei Neugeborenen die Gefahr der Erblindung bedeutet.

Anders als der Lippen- und Genitalherpes führt der Herpes Zoster zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Wer als Kind an Windpocken litt, trägt das Varizella-Zoster-Virus dauerhaft in sich. Im Alter, aufgrund einer Immunschwäche oder auch stressbedingt, wird das in den Spinalganglien schlummernde Virus erneut aktiv und wandert dann entlang der Nervenbahnen bis in die Haut. Dort verursacht es eine flächige Rötung mit unzähligen Bläschen, den sogenannten Zoster („Gürtelrose“). Neben diesen Hautreaktionen kommt es ebenfalls häufiger zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie leichtem Fieber. Die akute Zostererkankung heilt nach einigen Wochen wieder ab, meist werden Schmerzmittel und Virostatika verabreicht, um die Symptome bis zur Ausheilung etwas zu lindern. Viel schwerer wiegen jedoch die Monate bis Jahre nach dem Zoster. Die Post-Zoster-Neuralgie verursacht selbst lange Zeit nach Abheilung der Gürtelrose noch schlimme Schmerzen in Muskeln und Gelenken und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Gürtelrose (Herpes Zoster) auf dem Rücken
Herpes Zoster (Gürtelrose)

Wie wird Herpes behandelt?

Die Behandlung von Herpes in jedweder Form (Herpes Labialis, Herpes Genitalis, Herpes Zoster) kann nur rein symptomatisch erfolgen. Eine Heilung durch Medikamente ist auch heute noch nicht möglich. Nach Abklingen der Hauterscheinungen schlafen das Simplex Virus oder auch das Varizella-Zoster-Virus im Nervengewebe und warten bereits auf ihren nächsten großen Auftritt.

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die Symptome zumindest abzumildern. Die Verfahren reichen dabei von der Hausapotheke bis zum antiviralen Wirkstoff. Am geläufigsten ist die Behandlung mit Aciclovir einem virenhemmenden Medikament, welches die Virusvermehrung hemmt. Gegen ruhende Viren in den Ganglienzellen vermag Aciclovir allerdings nichts auszurichten. Aus der Hausapotheke können ergänzend pflanzliche Präparate gewählt werden, die mitunter antivirale und antibaktierielle Wirkung haben. Bei schweren Verläufen, z. B. infolge eines Immundefektes, sind antibakteriell wirksame Substanzen sehr hilfreich, da sie eine Superinfektion der Herpesbläschen mit Bakterien verhindern können.

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Honig ist seit jeher ein erprobtes Mittel gegen Entzündungen. Und tatsächlich haben moderne Studien nachweisen können, dass Honig heilsame Eigenschaften besitzt und sowohl gegen Bakterien (antibakteriell) als auch gegen Viren (antiviral) wirkt.

Ganz ähnliche Wirkungen entfaltet der Schwarze Tee. Sein hoher Gehalt an Tanninen (Bitterstoffen, Gerbsäuren) ermöglicht es, Viren abzutöten und gleichzeitig Entzündungen zu hemmen. Den Tee zu trinken, wird dafür jedoch wenig hilfreich sein. Vielmehr sollte ein kalter oder warmer Teebeutel Schwarzen Tees auf die betroffenen Herpesbläschen gelegt werden.

Ein anderes Wirkprinzip der Haumittelchen beruht auf der Austrocknung der Herpesbläschen. Hier sind zum einen ätherische Öle (z. B. Hagebuttenöl, Johanneskrautöl, Jojobaöl, Melissenöl, Ringelblumenöl, Teebaumöl) zu nennen, aber ebenso sind Zahnpasta oder Backpulver wirksam.

So schützt man sich vor Herpes

Die Infektion mit Herpesviren zu verhindern, ist bei einer Durchseuchung in der Bevölkerung von mehr als 90 % ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen. Lediglich im Falle des Varizella-Zoster-Virus, welches die Windpocken und die Gürtelrose verursacht, kann durch das gezielte Impfen von Kleinkindern ein gewisser Schutz erreicht werden. Doch diese Impfung verhindert eben nur die Ansteckung mit dem Zoster-Virus. Andere Simplex Viren werden dadurch nicht beeinflusst.

Gegen Labialherpes kann man sich eher schlecht schützen, da ein Kuss oder ein Speichelkontakt oft ausreicht, um das Virus zu übertagen. Kinder bekommen die Viren meist über die Fürsorge und einen Kuss der Eltern übertragen.

Anders sieht es aber bei Genitalherpes (Herpes Genitalis) aus. Hier empfehlen Ärzte und Gesundheitsexperten aus Deutschland im Gleichklang mit den Ideen des gesunden Menschenverstands:

  • Kondome sind Pflicht, schon vor dem ersten Eindringen des Penis in Scheide oder Po und erst recht beim Vaginalsex (Penis in der Scheide) und Analsex (Penis im Po).
  • Kondome helfen auch, Sexspielzeuge sauber zu halten und gemeinsam zu nutzen. Jede Partnerin und jeder Partner erhält dafür ein neues Kondom.
  • Der Kontakt mit den Bläschen und nässenden Hautstellen sollte vermieden werden, um die Ansteckung zu unterbinden.
  • Sind an Penis, Scheide oder Lippen Bläschen und/oder kleine Geschwüre zu finden, ist das ein No-Go in Bezug auf Oralsex. Der Weg zum Arzt (Dermatologe) ist dann die sicherste Wahl.
  • Einen hundertprozentigen Schutz vor Herpes gibt es nicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bietet für Interessierte anonyme Online- und Telefonberatungen an.

Welche Prognose hat eine Herpesinfektion?

Die Prognose, also die Wahrscheinlichkeit, wie gut oder schlecht ein Herpes ausheilt, hängt von individuellen Faktoren des Betroffenen ab. In der Regel heilt die lokale Lippenherpes rückstandsfrei ab. Ebenso ist der Genitalherpes meist harmlos, wenn auch sehr schmerzhaft. Allerdings erhöhen die oft entzündlichen Herpesbläschen das Risiko, sich leichter mit anderen Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Vor allem in Bezug auf Syphilis, HIV und Gonorrhoe stellen die Herpesbläschen beim Herpes Genitalis ein höheres Risiko dar, denn die Erreger nutzen die angeschlagene Schleimhaut- oder Hautoberfläche, um bis ins Blut vorzudringen. Bei Immunschwäche oder HIV-Funktion können zudem sehr schwere Krankheitsverläufe auftreten, die als systemische oder generalisierte Herpesinfektion bezeichnet werden. Dann droht z. B. die Virusenzephalitis (Hirnhautentzündung), die mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist. Sonst überwiegend gesunde Menschen mit funktionierendem Immunsystem stecken die Herpes-Erkankung aber in der Regel sehr gut weg und diese heilt ohne sichtbare Folgen wieder aus.

Welche weiteren Viren aus der Gruppe der Herpesviren gibt es?

Die eigentliche Kuss-Krankheit („Kissing-disease“) wird durch einen nahen Verwandten des Herpes Simplex Virus verursacht, das Eppstein-Barr-Virus (kurz EBV). Die Übertragung erfolgt mittels Speichel und brachte der Krankheit dadurch ihren Namen als Kuss-Krankheit ein. Die Erkrankung, welche dieses Virus verursacht, ist auch unter dem Namen „Pfeiffersches Drüsenfieber“ oder als infektiöse Mononukleose bekannt. Bei der Erstinfektion, meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, treten zuerst grippeähnliche Symptome auf. Es kommt zu Fieber, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl und Halsschmerzen, aufgrund der stark geschwollenen Lymphknoten. Kopfschmerzen, Husten und Schüttelfrost sind ebenso häufige Begleiterscheinungen.

Als eine der Komplikationen können im weiteren Leben, sogar Jahrzehnte nach der Ausheilung des Primärinfektes, Tumorerkrankungen auftreten. So ist bekannt, dass das Eppstein-Barr-Virus in bis zu 80 % der Nasen-Rachen-Tumoren nachweisbar ist. Das Pfeiffersche Drüsenfieber kann als virale Krankheit nicht kausal, sondern nur symptomatisch behandelt werden. Zum Einsatz kommen fiebersenkende und schmerzreduzierende Mittel, ebenso wie Antibiotika, sofern eine bakterielle Superinfektion im Bereich der entzündeten Mandeln oder Lymphknoten vorliegt. Ganz wichtig ist es, zum Auskurieren die verordnete Ruhe streng einzuhalten, denn sonst drohen Komplikationen, wie z. B. Herzmuskelentzündungen, Hirnhautentzündung oder sogar ein Milzriss als Folge einer starken Vergrößerung des Organs.

Ein ebenso weitverbreiteter Vertreter der Herpesviren ist das Cytomegalievirus (Herpesvirus 5, Humanes Cytomegalievirus). Es kommt weltweit nur beim Menschen vor. Während die Durchseuchung der erwachsenen Bevölkerung bei uns etwa 40 % beträgt, erreicht das Virus in der Dritten Welt Raten bis 100 %. Die Infektion erfolgt meist bereits schon im Kindesalter und schlummert dann unbemerkt im Inneren des Körpers. Die Übertragung passiert über Speichel und andere Körperflüssigkeiten, sodass das Küssen sowie der sexuelle Verkehr ab dem Jugendalter zu den Hauptübertragungswegen zählen.

Die Infektion mit dem Cytomegalievirus wird in fast 90 % der Fälle gar nicht bemerkt. Der Arzt sagt dazu, dass die Infektion asymptomatisch ist. In den anderen seltenen Fällen ommt es zu Krankheitserscheinungen wie Fieber und Lymphknotenschwellungen. Insgesamt ähnelt die Cytomegalie dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Für Menschen mit intaktem Immunsystem ist die Krankheit gut zu beherrschen und heilt in der Regel folgenlos wieder aus. Besonders gefährdet sind aber Schwangere und die noch ungeborenen Kinder.

Infiziert sich eine Schwangere erstmals mit dem Cytomegalievirus, hat das Kind ein etwa 40 %-iges Risiko, ebenfalls angesteckt zu werden. Die Folge sind meist schwere Missbildungen des Kindes, wie Herzmuskelschäden, Darmstörungen, Hörschäden und Bewegungsstörungen. Da dieses Herpes Virus oft nur unklare, grippeähnliche Symptome bei der Mutter verursacht, bleibt die Infektion und damit die Gefahr für das Kind zu häufig unerkannt.

Eine zweite Gruppe von Risikopatienten sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dazu zählen Transplantierte (haben ein neues Spenderorgan erhalten) sowie HIV-Infizierte und AIDS-Kranke. Bei diesen Patienten kann das Cytomegalievirus systemische Entzündungen auslösen, von denen die Lungenentzündung die gefürchtetste ist. Die Behandlung der Cytomegalie ist wie bei allen anderen Herpesinfektionen auch eine rein symptomatische. Fiebersenkende Mittel gehören ebenso dazu wie Antibiotika gegen bakterielle Begleitinfektionen und Virostatika, um die Viruslast der Erkrankung etwas zu senken.

Schützen kann man sich gegen dieses Herpesvirus nicht. Es gibt keine Schutzimpfung und auch keine besondere Schutzmaßnahme, die die Ansteckung verhindern könnte. Schwangeren wird allerdings empfohlen, sich und ihren Partner auf eine Cytomegalie-Infektion untersuchen zu lassen. Mögliche Ansteckungsquellen zu finden und für den Zeitraum der Schwangerschaft ein wenig zu vermeiden, ist noch der effektivste Schutz gegen Cytomegalie. Der Test auf Antikörper gegen das Cytomegalie Virus ist derzeit noch immer keine feste Kassenleistung zur Schwangerenvorsorge. Deshalb fällt er unter die Selbstzahlerleistungen. Mit etwa 13 € ist der Cytomegalie-Virus-Test aber nicht zu teuer und eine gute Investition, die im günstigsten Fall das Risiko für das Kind reduzieren kann.

Für weitere Hilfe und eine umfassende Beratung zum Thema „Herpes & Co.“ geben Hautärzte und Gynäkologen sehr gern Auskunft.

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