Lymphogranuloma venereum - Erkennen und therapieren

Lymphogranuloma venereum

Bei Lymphogranuloma venereum – auch venerische Lymphknotenentzündung genannt – handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine im Lymphabflussgebiet der Sexualorgane liegende, chronisch verlaufende Lymphknotenentzündung, die Schwellungen und Geschwüre der Lymphknoten in der Genital- und/oder Leistengegend verursacht. Hervorgerufen wird sie durch die Serotypen L1, L2 und L3 der Bakteriengattung Chlamydia trachomatis, die ausschließlich sexuell übertragen werden. Neben Syphilis, Tripper und Ulcus molle gehört Lymphogranuloma venereum zu den vier klassischen Geschlechtskrankheiten.

Häufigkeit der Erkrankung

Lymphogranuloma venereum tritt vorwiegend in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas auf. In der westlichen Welt kommt die Geschlechtskrankheit dagegen eher selten vor. In den letzten Jahren wurden jedoch auch in Europa und den USA, insbesondere in Großstädten, vermehrt Fälle von Lymphogranuloma venereum registriert. Bei den Betroffenen handelt es sich dabei meist um zurückkehrende Touristen aus den Tropen und deren Sexualpartner sowie um homosexuelle Männer. Laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht in Deutschland derzeit keine Meldepflicht für Lymphogranuloma venereum.

Ursachen einer Lymphogranuloma venereum-Infektion

Ursächliche Erreger von Lymphogranuloma venereum sind die Serotypen L1-L3 der Bakteriengattung Chlamydia trachomatis.

Dieses kugelförmige, gramnegative, etwa 0,5 Mikrometer (µm) große Bakterium kann sich nur innerhalb der Wirtszellen vermehren und ist sehr empfindlich gegenüber Kälte und Austrocknung. Die Übertragung des Erregers erfolgt daher praktisch ausschließlich durch Schleimhautkontakte bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. In Europa kommt es vorwiegend bei ungeschütztem Analverkehr zwischen homosexuellen Männern zur Ansteckung mit Lymphogranuloma venereum.

Anders als die wesentlich häufiger vorkommenden Serotypen D-K, die die weit verbreitete, sexuell übertragbare Chlamydien-Infektion der Harnröhre und Geschlechtsorgane verursachen, neigen die Serotypen L1-L3 dazu, sich im gesamten Körper auszubreiten und so eine sogenannte systemische Infektion hervorzurufen.

Symptome einer Lymphogranuloma venereum-Infektion

Lymphogranuloma venereum verläuft in drei Stadien. Im sogenannten Primärstadium (Stadium I) treten frühestens 3 Tage bis etwa 3 Wochen nach der Ansteckung mit Lymphogranuloma venereum die ersten charakteristischen Symptome auf. So bilden sich an den Eintrittsstellen des Erregers im Genitalbereich, beim Mann beispielsweise am Penis, an der Eichel, der Vorhaut, dem Enddarm oder der Harnröhre, bei der Frau beispielsweise in der Scheide oder der Harnröhre, kleine, schmerzlose Knötchen oder mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die sich in der Folge zu kleinen Geschwüren umwandeln und nach einigen Tagen von selbst wieder abheilen. Da die Geschwüre nicht schmerzen, bleiben sie oftmals völlig unbemerkt.

Im Sekundärstadium (Stadium II) von Lymphogranuloma venereum treten beim Infizierten etwa 6 Wochen nach der Ansteckung mit dem Erreger ein- oder beidseitige Lymphknotenschwellungen in der Leistenbeuge und/oder Lymphknotenschwellungen im Genitalbereich auf. Diese sehr schmerzhaften Lymphknotenschwellungen sind von außen als sogenannte Bubo sichtbar und die darüber liegende Haut verfärbt sich manchmal blau-rot. Bleiben diese Schwellungen unbehandelt, können sie vereitern und aufbrechen. Zusätzlich können in diesem Stadium von Lymphogranuloma venereum begleitende Krankheitszeichen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost und Brechreiz auftreten.

Bleibt Lymphogranuloma venereum unbehandelt, kann die Erkrankung in ein chronisches, sogenanntes Tertiärstadium (Stadium III) übergehen. Nach einer beschwerdefreien Zeit von mehreren Jahren, in der sich die Erreger jedoch weiter im Körper der infizierten Person ausbreiten, entstehen chronische Entzündungen und Geschwüre im Darm- und Genitalbereich, die unter anderem Darmverengungen mit einem erschwerten Stuhlgang, Störungen des Lymphabflusses mit chronischen Lymphödemen und Schwellungen der Geschlechtsorgane, Abszesse und Fisteln zur Folge haben können.

Diagnose

Die Diagnose von Lymphogranuloma venereum erfolgt sowohl anhand der charakteristischen Symptome als auch durch einen Erregernachweis. Die für Lymphogranuloma venereum typischen Lymphknotenschwellungen und Geschwüre erkennt der behandelnde Arzt – meist ein Urologe oder Gynäkologe – bereits im Rahmen einer körperlichen Untersuchung.
Um die Diagnose sichern zu können, entnimmt der Arzt bei der körperlichen Untersuchung zudem einen Abstrich aus der Harnröhre, dem Enddarm oder einem Lymphknoten. Mithilfe dieses Abstriches kann anschließend im Labor eine Zellkultur angelegt werden, um den genauen Krankheitserreger zu bestimmen und nachzuweisen. Darüber hinaus ist es auch möglich den ursächlichen Erreger von Lymphogranuloma venereum durch einen Blut- oder Urintest, der Antikörper gegen Chlamydia trachomatis aufweist, nachzuweisen.

Therapie

Lymphogranuloma venereum wird in der Regel durch die orale Gabe spezieller Antibiotika, die gezielt die bakteriellen Erreger bekämpfen und abtöten sollen, behandelt. Zum Einsatz kommen hierbei meist die Antibiotika Doxycyclin, Tetracyclin, Erythromycin oder Azithromycin. Das Antibiotikum muss über einen Zeitraum von meist 3 Wochen täglich als Tablette eingenommen werden. Bei schweren Verläufen von Lymphogranuloma venereum kann es gegebenenfalls auch notwendig werden, das Antibiotikum als Infusion zu verabreichen.

Nach Abschluss der Antibiotika-Therapie sollte mithilfe eines Labortests sichergestellt werden, dass die ursächlichen Erreger von Lymphogranuloma venereum tatsächlich vollständig beseitigt wurden. Um eine weitere Ausbreitung von Lymphogranuloma venereum und gegenseitige Neuansteckungen (sog. Ping-Pong-Effekt) zu verhindern, sollten die Sexualpartner, mit denen Infizierte in den letzten beiden Monaten vor Beginn der Symptome Geschlechtsverkehr hatten, ebenfalls untersucht und gegebenenfalls mit behandelt werden. Zudem sollte während der Behandlung und noch mindestens eine Woche lang nach Abschluss der Therapie auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.

Prognose und Heilungsaussichten

Wird Lymphogranuloma venereum im Frühstadium rechtzeitig und konsequent mit Antibiotika behandelt, heilt die Infektion schnell ab, ohne Folgeschäden zu hinterlassen. Bleibt die Infektion mit den Lymphogranuloma venereum verursachenden Bakterien allerdings unbehandelt, kann die Erkrankung nach einigen Wochen zunächst in ein Sekundärstadium mit schmerzhaften Lymphknotenschwellungen und schließlich nach mehreren Jahren in ein chronisches Tertiärstadium mit schweren Komplikationen und Spätfolgen wie Darmverengungen oder Störungen des Lymphabflusses übergehen.

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