Syphilis (Lues venerea)

Was ist Syphilis?

iStock_000010236275XSmallBei Syphilis – auch Lues (venerea), harter Schanker oder Franzosenkrankheit genannt – handelt es sich um eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit, die durch eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Da die Ansteckung mit diesem Krankheitserreger in der Regel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt, zählt Syphilis zu den sogenannten sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs: sexually transmitted diseases). Während Syphilis früher schwere Erkrankungen mit Spätschäden und sogar Todesfällen zur Folge haben konnte, verläuft die Infektion mit Treponema pallidum heute eher chronisch.

Insgesamt erkranken in Westeuropa jährlich etwa zwei von 100.000 Personen an Syphilis. So zählt man in Deutschland pro Jahr rund 3.000 bis 3.500 Syphilis-Fälle. Am häufigsten stecken sich Männer – meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und in 80 Prozent der Fälle durch gleichgeschlechtlichen Sexualverkehr – mit Syphilis an. Laut Infektionsschutzgesetz vom 1. Januar 2011 gehört Syphilis in Deutschland zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Informationen zum Thema „Syphilis“

Ursachen
Symptome
Diagnose
Therapie

Die Ursachen der Syphilis

love couple bedAusgelöst wird die Syphilis durch eine Infektion mit dem Krankheitserreger Treponema pallidum – einem spiral- bzw. schraubenförmigen Stäbchenbakterium aus der Familie der sogenannten Spirochäten (Schraubenbakterien). Die Übertragung dieses Syphilis verursachenden Bakteriums erfolgt in der Regel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Syphilis – je nachdem, in welchem Krankheitsstadium sich die infizierte Person befindet – bei durchschnittlich 40 bis 60 Prozent liegt.

Beim Geschlechtsverkehr gelangt das Syphilis verursachende Bakterium über kleinste Hautrisse oder intakte Schleimhäute in den menschlichen Organismus und befällt hier zunächst regionale Lymphknoten. In der Folge breitet sich der Syphilis-Erreger dann über die Lymphbahnen und den Blutweg im gesamten Körper aus, bis schließlich alle Organe und auch das Zentralnervensystem befallen sind. Auch eine Übertragung des Syphilis-Erregers über Blutkonserven ist möglich, kommt jedoch in Deutschland eher selten vor.

Darüber hinaus kann der Krankheitserreger auch von einer an Syphilis erkrankten schwangeren Frau über die Gebärmutter an das ungeborene Kind weitergeben werden, was mitunter Missbildungen, eine angeborene Syphilis oder auch eine Fehlgeburt zur Folge hat.

Symptome der Syphilis

iStock_000018411905XSmallDie Syphilis verläuft in der Regel in vier Stadien, die nacheinander durchlaufen werden, sofern die Infektion nicht behandelt wird. Dabei wechseln sich Erkrankungs-Phasen mit starken Beschwerden und sogenannte Latenzphasen, in denen der Infizierte mitunter jahrelang symptomfrei ist, ab. Am ansteckendsten sind Syphilis-Infizierte im akuten ersten Stadium (primäre Syphilis), während die Ansteckungsgefahr im zweiten Stadium (sekundäre Syphilis) abnimmt und im dritten und vierten Stadium (tertiäre und quartäre Syphilis) gar nicht mehr gegeben ist.

Im ersten Stadium der Syphilis – auch Lues I genannt – treten meist 10 bis 30 Tage nach der Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum die ersten Symptome auf. So bilden sich an der Eintrittstelle der Bakterien – also beim Mann an Penis oder After und bei der Frau an der Scheide, den Schamlippen und am After – zunächst kleine, schmerzlose Geschwüre mit hartem Rand (sogenannte harte Schanker), die mit einer massiven, aber schmerzlosen Schwellung der benachbarten Lymphknoten einhergehen. Diese Geschwüre sondern eine farblose Flüssigkeit ab, die große Mengen des Syphilis-Erregers enthält und deshalb äußerst ansteckend ist. Meist heilen diese Geschwüre im Genitalbereich nach mehreren Wochen von selbst ab, hinterlassen jedoch fast immer eine Narbe.

Im zweiten Stadium der Syphilis – auch Lues II genannt – breitet sich der Syphilis-Erreger über die Blut- und Lymphwege im gesamten Körper aus. Etwa acht Wochen nach Verschwinden der Geschwüre im Genitalbereich äußert sich die Infektion dann meist in Form von Hautausschlägen, Schleimhautentzündungen, Haarausfall und Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper. Auch allgemeine Krankheitssymptome wie Kopf- oder Halsschmerzen, Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und Appetitverlust können in diesem Stadium der Syphilis auftreten. An dieses zweite Stadium der Syphilis kann sich eine Latenzphase anschließen, in der der Infizierte mitunter jahrelang keine Symptome aufweist.

Das dritte Stadium der Syphilis – auch Lues III oder Spätsyphilis genannt – beginnt meist erst drei bis fünf Jahre nach der eigentlichen Infektion, wenn sich die Syphilis-Erreger im gesamten Körper ausgebreitet und neben Genitalbereich, Lymphknoten und Haut zusätzlich zahlreiche Gewebe und Organe befallen haben, etwa die Blut- und Luftwege, die Knochen und Muskeln, den Rachen, die Speiseröhre, den Magen und die Leber. In der Unterhaut, in den Knochen und in den Organen bilden sich dann gummiartig verhärtete Knoten (sogenannte Gummen) und in der Hauptschlagader (Aorta) können sich Aneurysma bilden, dessen Platzen zum Tod des mit Syphilis Infizierten führen kann.

Im vierten Stadium der Syphilis – auch Lues IV oder Neurosyphilis genannt – kommt es schließlich aufgrund des Bakterien-Befalls von Gehirn, Knochenmark und Nervensystem zu schweren neurologischen Störungen. Dazu gehören unter anderem Lähmungen, Gangunsicherheiten, Gefühlsstörungen, Reflexverlust, Hör- und Sehstörungen, Demenz , Persönlichkeitsveränderungen und Halluzinationen. Sofern die Syphilis in einem der vorangegangenen Stadien nicht ausreichend bzw. gar nicht behandelt wurde, beginnt dieses letzte Stadium der Syphilis meist nach einer weiteren beschwerdefreien Latenzphase von zehn bis zwanzig Jahren. In etwa 10 Prozent der Fälle führen diese Spätfolgen einer unbehandelten Syphilis schließlich zum Tod des Betroffenen.

Diagnose der Syphilis

Medical Records & StethoscopeDeuten die Symptome auf Syphilis hin, entnimmt der behandelnde Arzt – meist ein Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten – sowohl eine Blutprobe als auch einen Abstrich vom Geschwür oder Ausschlag, um diese im Labor untersuchen zu lassen. Mithilfe von Blutuntersuchungen wird dann überprüft, ob der Körper des Patienten bereits Antikörper gegen den Syphilis-Erreger gebildet hat. Ist dies der Fall, kann davon ausgegangen werden, dass auch das Bakterium Treponema pallidum im Körper vorhanden ist.

Um die Diagnose Syphilis anschließend zu sichern, wird zudem der entnommene Abstrich unter dem Mikroskop untersucht. Auf diese Weise kann der Syphilis-Erreger selbst nachgewiesen werden.

Therapie der Syphilis

iStock_000022112961XSmallDie Behandlung von Syphilis erfolgt in der Regel mit dem Antibiotikum Penicillin, das meist als Injektion in den Gesäßmuskel des Patienten oder auch als Infusion verabreicht wird. Leidet der Infizierte an einer Penicillinallergie, können ersatzweise auch andere Antibiotika wie etwa Erythromycin, Tetracyclin oder Doxycyclin eingesetzt werden, um die Vermehrung der Syphilis-Erreger zu bremsen und so die Syphilis zu bekämpfen. Die Dosierung und Dauer der Antibiotika-Behandlung hängt dabei vom Krankheitsstadium der Syphilis ab. Im ersten und zweiten Stadium der Syphilis reicht es jedoch meist aus, ein- oder zweimal ein langwirkendes Antibiotikum zu spritzen.

Wichtig ist, dass sich auch der Partner auf Syphilis untersuchen und gegebenenfalls ebenfalls mit Antibiotika behandeln lässt. Zudem sollten bei einer länger zurückliegenden Infektion auch frühere Partner informiert werden, dass sie sich möglicherweise mit Syphilis angesteckt haben und deshalb testen lassen sollten.

Prognose und Heilungsaussichten der Syphilis

Die Prognose bei Syphilis ist heutzutage generell gut bis sehr gut, hängt aber davon ab, in welchem Stadium mit der Antiobitika-Behandlung begonnen wird. In den ersten zwei Stadien lässt sich die Syphilis in der Regel durch eine rechtzeitige und konsequente Therapie mit Penicillin oder anderen Antibiotika erfolgreich behandeln, ohne dass bleibende Schäden zurückbleiben. Wird die Syphilis jedoch erst im dritten oder vierten Stadium erkannt und behandelt, können Spätschäden die Folge sein. Insbesondere wenn sich die Syphilis bei Behandlungsbeginn bereits im Stadium der Neurosyphilis befindet, ist die Prognose eher ungünstig. Dann können beim infizierten Patienten unter anderem Lähmungen oder andere Schäden zurückbleiben, die eine lebenslange Pflege des Syphilis-Patienten notwendig machen. Unbehandelt führt Syphilis in etwa 10 Prozent der Fälle sogar zum Tod.