Armut ist weltweit wichtigster Risikofaktor für eine HIV-Ansteckung

96 % der HIV-Infizierten und AIDS-Kranken leben in den Entwicklungsländern. Das ist kein Zufall – denn AIDS hat viel mit Armut und fehlender Bildung zu tun. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Hälfte der Weltbevölkerung noch immer keinen Zugang zu primärer Gesundheitsversorgung. Kein Wunder also, dass weiterhin Millionen von Menschen rund um den Globus an Armutskrankheiten wie AIDS sterben. Da steht auch die Weltgemeinschaft in der Verantwortung.

Die Welt darf nicht zusehen

So sieht das auch die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Sie fordert von Deutschland als eine der wichtigsten und reichsten Industrienationen mehr Engagement in der globalen Bekämpfung von Armutskrankheiten. Da reiche politisches Engagement alleine nicht aus – auch die Finanzierung von geeigneten Maßnahmen müsse gesichert sein – so die DSW. Zwar zählt Deutschland bereits zu den Geberländern, doch steht die finanzielle Beteiligung in keinem Verhältnis zum erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt. Hier reiht sich die Bundesrepublik auf den neunten Rang der Geberländer ein.

Die WHO deklariert Gesundheit als grundlegendes Menschenrecht – in den Ohren der Armen dieser Welt mag das eher wie Hohn klingen. Denn wenn die Bewohner armer Länder selbst für ihre Medikamente aufkommen müssen, führt sich dieses Recht ad absurdum. Wenn der Staat pro Person und Jahr gerade mal 2 – 8 Dollar für Medikamente ausgeben kann, muss man kein Hellseher sein, um die fatalen Folgen abzusehen. Welche Probleme das mit sich bringt, zeigte sich bei der letzten großen Ebolaepidemie. Pandemien haben für die betroffenen Länder auch verheerende wirtschaftliche und soziale Konsequenzen. AIDS-Kranke fallen als Verdiener aus – mitunter ist eine ganze Generation betroffen. Armut und Krankheit generieren neue Armut.

Slum in Afrika
Slum in Afrika © Wollwerth Imagery – stock.adobe.com

Teufelskreis – Armut zieht fehlende Bildung nach sich

Das Verhängnisvolle: Armut hat immer auch fehlende Bildung im Schlepptau – ein fataler Mix, wenn es um AIDS geht. Denn in der Prophylaxe spielen Aufklärung und Wissen eine entscheidende Rolle. In armen Ländern hat nicht einmal die Hälfte aller Kinder Zugang zu Schulbildung. Viele Familien verdienen weniger als 2 Dollar am Tag und können weder Geld für Schuluniform noch Unterrichtsmaterial aufbringen. Oft müssen Kinder durch Arbeit zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Krankheiten und Armut gehen Hand in Hand und sind daher auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung für die Weltgemeinschaft. Denn solange ärmere Bevölkerungsschichten keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Medikamenten und ärztlicher Versorgung haben, wird sich an der Situation wenig ändern. Lebensverlängernde Therapien und Präventionsmaßnahmen stehen bisher nur den Menschen wohlhabender Industrienationen zur Verfügung. Und die Pharmaindustrie steckt nur Geld in die Erforschung von Medikamenten, die lukrative Absatzmärkte finden. Und dazu zählen nicht die Armen und Ärmsten.

Hier wäre Deutschland als bedeutender Wissenschaftsstandort gefragt, diesen Teufelskreis aus Armut, fehlender Bildung und Krankheit zu durchbrechen. Möglichkeiten gäbe es genug. Zum Beispiel mehr in die Erforschung von HIV und AIDS investieren und Erkrankten in den Entwicklungsländern die notwendigen Medikamente zugänglich machen. Da sind die von Deutschland bereitgestellten 65 Millionen US-Dollar für die Erforschung von Armutskrankheiten eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Armutskrankheiten auch in Deutschland

Armutskrankheiten – das hört sich sehr nach Dritter Welt an. Doch weit gefehlt – es gibt sie auch im wohlhabenden Deutschland. Denn auch hierzulande tragen Arme erhöhte gesundheitliche Risiken. Nur zeigen armutsbedingte Erkrankungen in unseren Breiten ein anderes Gesicht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Armutskrankheit. Sozial Schwache erkranken zwei-bis dreimal häufiger daran. Traurig genug, dass es nicht einmal Ländern mit hohem Lebensstandard gelingt, dieses beschämende Phänomen zu verbannen.

Globaler Aktionsplan erforderlich

Nur das entschlossene Handeln der Weltgemeinschaft kann eine Pandemie wie AIDS aufhalten. Und das ist auch in unserem eigenen Interesse. Denn wem jegliche Lebensgrundlage fehlt, der macht sich auf die Suche nach einem besseren Leben – für manches ist es Europa. Schaffen wir also ein Umfeld, das den Menschen eine reale Chance auf ein lebenswürdiges Dasein bietet – und dazu gehören auch Gesundheit und Bildung!

Lesen Sie auch diesen interessanten Überblicksbeitrag zum aktuellen Stand von AIDS im Rahmen des vergangenen Welt-AIDS-Tages am 1.12.2018.


von Die Redaktion. 31.01.2019