HIV-Prophylaxe mit PrEP bald auf Kassenrezept?

Zwar stagnieren in Deutschland die Ansteckungszahlen mit HIV – doch ganz einzudämmen ist AIDS scheinbar nicht. Seit Oktober 2016 ist zwar ein Medikament auf dem Markt, das, täglich eingenommen, dauerhaften Schutz vor einer Ansteckung mit HIV bietet. Der Wermutstropfen dabei: Die Prä-Expositions-Phrophylaxe – kurz PrEP – steht bisher nur zahlungskräftigen Mitbürgern auf Privatrezept zur Verfügung.

Doch nun ist Bewegung in die Diskussion gekommen. Jüngst ließ Gesundheitsminister Jens Spahn verlauten, dass er einen Gesetzesentwurf vorgelegt habe, durch den das Medikament in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird.

HIV-Prophylaxe mit PrEP
HIV-Prophylaxe mit PrEP © mbruxelle / Fotolia

Effiziente Prävention kann Leben retten

Das Medikament ist besonders für Menschen interessant, die mit einem erhöhten Infektionsrisiko leben. PrEP verhindert zwar nicht, dass die HI-Viren in den Körper gelangen. Doch unterbindet es ihre Vermehrung – und damit auch die Infektion. Das ist durchaus als Meilenstein in der AIDS-Bekämpfung zu sehen. Schließlich hat sich das Medikament bereits als wichtiges Instrument zur Prävention der gefährlichen Viruserkrankung erwiesen. So ist nach Angaben der Deutschen STI-Gesellschaft (STI steht für sexuell übertragbare Krankheiten) seit Markteinführung von PrEP die Ansteckungsrate in London um 40 – 50 % gesunken.

Umso weniger ist nachvollziehbar, dass PrEP hierzulande noch nicht als Krankenkassenleistung anerkannt ist. Da sind andere Länder weiter. In Frankreich, Schottland und Norwegen kommen die Krankenkassen bereits für die HIV-Prophylaxe mit PrEP auf. Dieses Kuriosum haben wir bereits in unserem Blogartikel zum Thema PrEP thematisiert.

Kostenersparnis für die Krankenkassen

Es kann nicht sein, dass AIDS-Prävention in Deutschland weiterhin nur denen zugutekommt, die es sich leisten können – auch wenn die Kosten für das Medikament inzwischen deutlich gesenkt werden konnten. Zudem erwies sich die HIV-Prävention letztendlich als kostensparender Faktor für die Krankenkassen. So jedenfalls die Kostenrechnung der dagnä (Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V.). Vergleiche man die Kosten für die Prophylaxe mit denen einer lebenslangen HIV-Therapie, so sei die Medikation mit PrEP wesentlich kostengünstiger.

Nicht zu vergessen: Die Kostenübernahme durch die Kassen hätte noch einen weit wichtigeren, nämlich einen menschlichen Aspekt. Nach Einschätzung der dagnä könnten bis 2030 möglicherweise 9.000 Infektionen mit HIV verhindert werden – 9.000 Betroffene, denen viel Leid erspart bliebe. Das allein sollte Grund genug sein, sich für eine Kostenübernahme starkzumachen.

Einnahme ohne ärztliche Begleitung birgt Risiken

Wie das Modell letztendlich aussehen soll, muss freilich noch mühevoll ausgehandelt werden. Wie es bis jetzt aussieht, soll PrEP nur Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko als Kassenleistung zur Verfügung stehen. Sie hätten dann einen gesetzlichen Anspruch auf die AIDS-Prophylaxe. Dies schlösse auch die damit verbundenen Untersuchungen und das entsprechende Monitoring ein. Genau das wäre dringend erforderlich. Nicht wenige Betroffene beziehen PrEP derzeit kostengünstig über das Internet – oft ohne ärztliche Begleitung. Das ist nicht ganz ungefährlich. Denn viele Betroffene wissen nichts von ihrer bereits bestehenden HIV-Infektion. Wird die Prophylaxe von bereits Infizierten eingenommen, besteht die Gefahr, dass der HI-Virus mutiert und Resistenzen gegen das Medikament entwickelt – was es langfristig wertlos machte.

Das Gespenst AIDS ist durch PrEP längst noch nicht besiegt. Doch die geplante Kassenzulassung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Bleibt abzuwarten, ob und wann das lebensrettende Medikament endlich allen Betroffenen zugutekommt.


von Die Redaktion. 25.07.2018