HIV-Tests bald im freien Verkauf erhältlich!

Wie es scheint, bleibt Menschen, die eine mögliche Infektion mit HIV befürchten, bald der Weg zu Arzt oder Beratungsstelle erspart. Künftig soll ein Selbsttest in Apotheken, Drogerien und Supermärkten frei erhältlich sein. Eine entsprechende Verordnung hat der Bundesrat jüngst abgesegnet. Dies kann ein Meilenstein in der Bekämpfung von Aids sein – denn der Selbsttest könnte viele Neuinfektionen verhindern.

Die Zahl der neu mit HIV Infizierten ist im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger stabil geblieben – doch das Damoklesschwert „Ansteckungsgefahr“ schwebt nach wie vor über unseren Köpfen. Allein 2016 steckten sich nach Informationen der Deutschen Aidshilfe hierzulande 3.100 Menschen mit dem HI-Virus an. Grund genug, zielführende Maßnahmen zu ergreifen. Dieser Meinung scheint auch das Bundesgesundheitsministerium zu sein.

HIV-Vorsorge
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Der Selbsttest – ein Schritt in die richtige Richtung

Den Stein ins Rollen gebracht hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Was auch immer den Weckruf im Gesundheitsministerium bewirkt hat – Spahn sieht mit Recht in der Freigabe des Selbsttests ein wirksames Instrument im Kampf gegen Aids. Ein weiterer Anlass, sich verwundert die Augen zu reiben angesichts so viel Engagement in Sachen Aidsbekämpfung. Erst kürzlich hatte Spahn bekannt gegeben, dass das Medikament zur HIV-Vorsorge (PrEP, wir berichteten darüber) in Kürze auf Kassenrezept verfügbar sein werde.

Wer nun glaubt, Deutschland sei Vorreiter in der Zulassung frei verkäuflicher Selbsttests, sieht sich getäuscht – diesen Schritt haben Länder wie Frankreich, Österreich und Belgien längst getan. Empfohlen wird der HIV-Test zur Eigenanalyse bereits seit 2016, und zwar von der WHO. Zeit wird’s – mag man da eher sagen.

Durch Anonymität die Angst nehmen

Trotzdem kommt der freie Verkauf des Selbsttests einer Revolution im Umgang mit der immer noch bedrohlichen Viruserkrankung gleich. Denn wer bis dato wissen will, ob er an HIV erkrankt ist, muss sich beim Arzt oder der Beratungsstelle als potenzieller Virusträger outen. Das schreckt viele Menschen ab – oft mit fatalen Folgen. Durch den frei verkäuflichen Selbsttest sinkt diese Hemmschwelle deutlich. Denn der Aids-Test kann zu Hause im stillen Kämmerlein durchgeführt werden – absolute Anonymität inklusive.

Der Selbsttest ist sicher und leicht zu handhaben und funktioniert ähnlich wie ein Blutzuckertest. Mit einem Pieks in die Fingerkuppe lässt sich das Vorhandensein von HIV- und HIV-2-Viren im Blut feststellen. Ist das Ergebnis positiv, kann der Betroffene sich umgehend an den Arzt wenden und erhält eine adäquate Behandlung. Frühzeitig behandelt gelingt es, die HIV-Infektion in Schach zu halten. Durch entsprechende Medikation lässt sich verhindern, dass die Erkrankung überhaupt ausbricht.

Unübersehbare Vorteile – für alle

Hier wird schnell klar, dass von der neuen Verordnung nicht nur der Einzelne, sondern die ganze Gesellschaft profitiert. Denn der Selbsttest leistet einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Neuinfektionen. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge wissen rund 13.000 Menschen hierzulande gar nichts von ihrer HIV-Infektion – und geben den HI-Virus unwissentlich weiter. Kein Wunder also, dass auch die Deutsche Aids-Hilfe die Möglichkeit, sich selbst auf HIV zu testen, begrüßt. Die Tests sollen voraussichtlich schon ab Oktober frei verkäuflich sein.

Eine HIV-Infektion ist mit entsprechender und rechtzeitiger Medikation längst kein Todesurteil mehr. HIV-Infizierte, die sich medikamentös behandeln lassen, müssen selbst bei der Lebenserwartung kaum mehr Abstriche machen – sie werden nahezu genauso alt wie der Durchschnitt. Ein Lichtblick, der hoffen lässt.


von Die Redaktion. 26.09.2018