HIV-PEP (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe)


Den zuverlässigsten und sichersten Schutz vor einer Ansteckung mit HIV und auch anderen Geschlechtskrankheiten bieten Safer Sex und die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr (siehe „Schutz vor Geschlechtskrankheiten“). Doch auch wenn man sich an diese Grundregeln hält, kann es einmal passieren, dass ein Kondom reißt oder abrutscht und man sich so ungewollt dem Risiko einer HIV-Infektion aussetzt.

Verschiedene Sofortmaßnahmen sowie die sogenannte HIV-PEP (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe) können nach einem solchen „Kondomunfall“ mit einem HIV-positiven Partner das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus minimieren.

Sofortmaßnahmen nach einem Kondomunfall

Um Reste von Körperflüssigkeiten der HIV-positiven Partnerin bzw. des HIV-positiven Partners zu entfernen, sollten Männer nach ungeschütztem eindringenden Geschlechtsverkehr möglichst zeitnah zu urinieren versuchen und den Penis unter fließendem Wasser mit Seife abwaschen. Hierbei sollten sie die Vorhaut zurückziehen und sowohl die Eichel als auch die Innenseite der Vorhaut vorsichtig und ohne zu viel Druck auf die Schleimhäute auszuüben reinigen.

Frauen sollten nach der ungeschützten vaginalen Aufnahme von Sperma den Intimbereich äußerlich mit Wasser abbrausen und ebenfalls zu urinieren versuchen. Nach ungeschütztem empfangendem Analverkehr sollte zudem der äußere Analbereich mit Wasser abgebraust werden. Innere Scheiden- und Darmspülungen sind dabei nicht angeraten, da diese das Infektionsrisiko aufgrund möglicher kleiner Verletzungen der Schleimhaut, in die die HI-Viren leichter eindringen können, eher erhöhen als verringern.

Gelangt beim Oralverkehr das Sperma eines HIV-positiven Partners in den Mund, sollte dies möglichst schnell und vollständig ausgespuckt werden. Anschließend sollte die Mundhöhle sofort mehrere Male kurz (etwa vier- bis fünfmal für etwa 15 Sekunden) mit Wasser gespült werden, das danach ebenfalls wieder ausspuckt wird. Da beim Zähne putzen eventuell vorhandene HI-Viren ins Zahnfleisch gerieben werden können, sollte dies unterlassen werden. Wenn Sperma in die Augen gelangt, sollten diese sofort mit Wasser ausgespült werden.

HIV-PEP (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe) nach einem Kondomunfall

Ergänzend zu diesen Sofortmaßnahmen bietet sich nach einer möglichen HIV-Übertragung auch eine sogenannte HIV-PEP (HIV-Post-Expositions-Prophylaxe) an. Dabei handelt es sich um eine vierwöchige vorbeugende Notfall-Therapie, die nach dem möglichen Kontakt mit HI-Viren eine HIV-Infektion verhindern soll. Nach einer möglichen Übertragung des HI-Virus sollte möglichst schnell – am besten innerhalb von zwei Stunden, spätestens aber innerhalb von 48 Stunden nach der anzunehmenden HIV-Infektion – mit der HIV-PEP begonnen werden.

Da die Erfolgsaussichten einer HIV-PEP umso besser sind, je früher damit begonnen wird, sollten Betroffene möglichst sofort eine HIV-Schwerpunktpraxis, eine HIV-Ambulanz, ein spezielles HIV-Behandlungszentrum oder die nächstgelegene Klinik aufsuchen. Dort schätzt der behandelnde Facharzt im Gespräch mit dem Betroffenen ein, ob tatsächlich das Risiko einer HIV-Infektion gegeben und eine HIV-PEP angeraten ist. Von dieser Einschätzung hängt es auch ab, ob die Kosten für eine HIV-PEP in Höhe von bis zu 1800 Euro von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Im Rahmen der HIV-PEP ist über einen Zeitraum von etwa vier Wochen eine Medikamenten-Kombination aus zwei bis drei verschiedenen Wirkstoffen einzunehmen. Bei diesen Medikamenten handelt es sich um virenhemmende Mittel, die verhindern sollen, dass die möglicherweise in den Körper gelangten HI-Viren die Zellen befallen und sich vermehren. Für den Erfolg der HIV-PEP ist es dabei wichtig, das die Medikamente regelmäßig und genau wie vom Arzt verordnet eingenommen werden.

Um zu überprüfen, ob mit der HIV-PEP eine HIV-Infektion verhindert werden konnte, führt der behandelnde Facharzt direkt im Anschluss an die HIV-PEP einen HIV-Test durch, der danach im Abstand von jeweils vier Wochen dreimal wiederholt wird. Fallen alle diese HIV-Tests negativ aus, ist davon auszugehen, dass die HIV-PEP erfolgreich war.

Eine HIV-PEP sollte nicht als das „Kondom danach“ betrachtet werden. Denn zum einen ist die HIV-PEP mit der täglichen Einnahme mehrerer Medikamente verbunden, die verschiedene Nebenwirkungen, wie etwa Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, haben können. Und zum anderen kann eine rechtzeitig durchgeführte HIV-PEP das Risiko einer HIV-Infektion zwar um bis zu 80 Prozent senken, aber eben nicht vollständig ausschließen.

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