Orgasmusstörung der Frau


Nach ICD 10 bezeichnet eine Orgasmusstörung der Frau das Ausbleiben oder nur stark verzögerte Erreichen eines sexuellen Höhepunktes.

Wie kommt es, dass manche Frauen schwer oder gar nicht zum Höhepunkt kommen?

Die Ursachen dafür, dass manche Frauen Schwierigkeiten haben, den Höhepunkt zu erreichen, sind vielfältig und treten meist kombiniert auf. Sind Störungen vorhanden, unterscheiden Mediziner zwischen primären, sekundären, globalen oder situativen Störungen.

  • Primär: Die Frau hatte noch nie einen Orgasmus, egal ob mit oder ohne Partner.
  • Sekundär: Die Frau konnte früher zum Höhepunkt kommen, inzwischen aber nicht mehr – beispielsweise nach einer Schwangerschaft, Operation oder Menopause u.a.
  • Global: Die Orgasmusstörung ist situationsunabhängig, d.h. sie tritt in jeder Situation, mit jedem Partner, unabhängig von der jeweiligen Stimulation auf.
  • Situativ: Die Frau kann nur in bestimmten Situationen einen Orgasmus erleben. Beispielsweise wird der sexuelle Höhepunkt nur durch Selbstbefriedigung erlebt.

Viele Frauen haben Probleme beim Erreichen des sexuellen Höhepunkts
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Die Frau erreicht den Orgasmus aus physischen Gründen nicht

Körperliche Ursachen sind bei Orgasmusproblemen eher selten. Sie kommen ausschließlich bei Frauen in Betracht, die früher bereits Orgasmen erleben konnte. Mögliche Ursachen sind:

  • neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson u.a.
  • Diabetes
  • die Einnahme von Medikamenten, insbesondere Psychopharmaka, Drogen und Alkohol
  • Durchblutungsstörungen des Schwellkörpers
  • Verletzungen der Nerven im Genitalbereich
  • Hormonmangel durch Erkrankungen der Schilddrüse, Nebenniere oder Hirnanhangdrüse

Verhindern physische Störungen den Orgasmus, weisen in der Regel weitere körperliche Symptome darauf hin:

  • Die Scheide wird nicht feucht genug (Lubrikationsstörung).
  • Die Vulva ist nicht ausreichend durchblutet und dadurch wird das Anschwellen behindert.
  • Klitoris und Schamlippen sind gefühllos.

Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten.

Die Frau kann aus psychischen Ursachen nicht zum Orgasmus kommen

Erregung und Orgasmen sind angeborene Reflexe, deren Voraussetzungen in neuroanatomischen Strukturen angelegt sind. Die Fähigkeit, diesen Reflex bis zum sexuellen Höhepunkt zu steigern, ist die Folge von Lernprozessen. Bei einer primären und globalen Störung gehen Mediziner von unvollständigen Lernschritten in der Entwicklung aus. So haben sich Frauen oft unter Einflüssen ihres Umfeldes (kultur-, religiös-, erziehungsbedingt) oder aufgrund von traumatischen Erfahrungen wenig oder gar nicht mit ihrer eigenen Sexualität auseinandergesetzt. Ein grundsätzlich gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper führt zu Scham, Hemmungen, Schuldgefühlen, Angst oder Ekel.

Bei sekundären oder situativen Orgasmusstörungen sind nicht selten Probleme auf der Paarebene grundlegend. Angestaute Gefühle, wie Wut und Enttäuschung, mangelndes Verständnis oder Vertrauen in den Partner beeinträchtigen die Intimität. So können sich Frauen schlecht entspannen und fallen lassen. Oftmals fehlt Männern auch das nötige Wissen, wie sie ihre Partnerin befriedigen können. Wenn Frauen Hemmungen haben, ihre Wünsche und Bedürfnisse klar zu formulieren, können Orgasmusstörungen als Resultat auftreten.

Welchen Arzt können betroffene Frauen aufsuchen?

Der erste Ansprechpartner bei Orgasmusstörungen ist der Gynäkologe. Grundlage der nachfolgenden Behandlung ist zunächst einmal das vertrauensvolle Gespräch und die Beschreibung möglicher Symptome. Mittlerweile gibt es Ärzte die, sich auf diese Thematik spezialisiert haben.

Welche Therapimaßnahmen können Frauen helfen, Orgasmen zu erleben?

Zunächst prüft der Gynäkologe, ob die Frau aus körperlichen Gründen keinen Orgasmus erreichen kann. Anhand eines Abstrichs vom Muttermund oder durch einen Bluttest kann ein möglicher Hormonmangel festgestellt werden. Durch die Vergabe von hormonhaltigen Zäpfchen oder Cremes können die Lubrikationsstörungen in den meisten Fällen behoben werden.

Die Durchblutung der Genitalien kann der Arzt mit einem Doppler-Sonographen oder Photoplethysmographen untersuchen. Bei unzureichender Durchblutung des Schwellkörpers werden durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben.

Stehen psychische Faktoren im Vordergrund, ist die Inanspruchnahme einer Sexualtherapie eine wesentliche Maßnahme, um die Orgasmusstörungen zu beheben. Vorzugsweise sollte diese zusammen mit dem Partner begonnen werden. Die Behandlungsoptionen bei Problemen mit dem Orgasmus sind vielfältig und abhängig vom individuellen Problemerleben. Ein wesentliches Ziel der Therapie ist, das sexuelle Erleben der Partner in eine neue Richtung zu lenken. Negative Gedankenmuster, Ängste, Zwänge und Hemmnisse sollten Schritt für Schritt abgebaut werden.