Schmerzen beim Sex


Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) sind neben der Orgasmusstörung die am häufigsten verbreitete sexuelle Funktionsstörung bei Frauen. Synonym werden die Begriffe Algopareunie, Koitusschmerz und Kohabitationsbeschwerden unter Medizinern verwendet. Eine Dyspareunie kann anhaltend vor, bei oder nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.

Welche Symptome treten bei einer Dyspareunie auf?

Schmerzen beim Sex können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Betroffene beschreiben diese Beschwerden:

  • Brennen
  • Jucken
  • Stechen
  • einen dumpfen Schmerz
  • wehenartige Krämpfe

Diese individuell empfunden Schmerzen beim Sex können zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen Situationen auftreten.

Bei einigen Frauen tritt eine Dyspareunie nur dann auf, wenn der Penis des Mannes an eine bestimmte Stelle stößt, bei anderen ohne erkennbaren Grund. Die Missempfindungen können nach Beenden des Geschlechtsverkehrs abrupt aufhören oder noch einige Zeit nachhalten.

Eine Dyspareunie kann in innere und äußere Schmerzen unterteilt werden. Die äußeren Beschwerden machen sich meist am Scheideneingang bemerkbar, innere Schmerzen in der Gebärmutter, im Mastdarm, in der Harnblase und in den Eierstöcken.

Schmerzen beim Sex
© Gina Sanders / Fotolia

Was sind „normale“ Schmerzen beim Sex?

Jede Frau hat ab und zu Schmerzen beim Sex. Dies kann durch vorübergehenden Stress oder Missempfindungen im Intimbereich, beispielsweise an den Tagen kurz vor der Menstruation, bedingt sein. In diesen Fällen wird die Scheide nicht ausreichend feucht und/oder die Muskulatur ist zu angespannt, um den Geschlechtsakt genießen zu können.

Beim ersten Sex empfinden viele Frauen (jedoch nicht alle, wie irrtümlich angenommen) Schmerzen beim Sex. Entscheidend für die Wahrnehmung des Geschlechtsverkehrs sind die individuellen Erwartungen des Paares und die Vertrautheit in der Beziehung.

Nach einer Geburt haben viele Frauen bis zur Beendigung der Stillzeit Schmerzen beim Sex. Die hormonelle Umstellung in und nach einer Schwangerschaft geht an Frauen nicht spurlos vorüber. Die Psyche ist labiler und die Scheide ist auch nach dem Verheilen der Geburtsverletzungen längere Zeit empfindlich. Durch die Versorgung des Neugeborenen fühlen sich viele Frauen anhaltend erschöpft. Für Intimität bleibt dem Paar nur noch sehr begrenzt Zeit. Schmerzen beim Sex können auftreten, wenn die Frau physisch und/oder psychisch noch nicht bereit dazu ist.

Unter den Wechseljahren versteht man die Jahre der hormonellen Umstellung vor und nach der Menopause. Die Ausschüttung von Östrogenen wird vermindert. Dies führt zu einer Atrophie/Trockenheit der Scheidenhaut und kann somit Schmerzen beim Sex verursachen.

Wie entsteht eine Dyspareunie?

Schmerzen beim Sex können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben. Im äußeren Genitalbereich liegen

  • die großen und kleinen Schamlippen
  • die Klitoris
  • der Scheidenvorhof
  • der Scheideneingang

Bei sexueller Erregung geben verschiedene Drüsen ein Sekret in den Scheidenvorhof ab, das das Eindringen des Penis erleichtert. Die Abgabe des Sekretes aus den Drüsen wird von verschiedenen physischen und psychischen Einflüssen gesteuert.

Zu den physischen Faktoren zählen die funktionstüchtigen Eierstöcke, das vegetative Nervensystem, die Gefäßversorgung, die Immunlage und der intakte Hormonhaushalt. Bei der Entstehung von Krankheiten gehen Mediziner mittlerweile davon aus, dass neben den körperlichen Ursachen immer auch die psychische Komponente betrachtet werden muss.

Körperliche Ursachen der Dyspareunie:

  • Hygiene- und Verhütungsmethoden
  • Harnwegsentzündung
  • Entzündung der Geschlechtsorgane (Scheide, Eileiter, Eierstöcke, Drüsen)
  • Hormonelle Veränderungen
  • Hormonelle Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, Magersucht, Hirntumor)
  • Geschlechtskrankheiten (Tripper, Syphilis, Trichomoniasis)
  • Genitalwarzen
  • Scheidenpilz
  • Tuberkulose
  • Endometriose
  • Myome
  • Gebärmutter-/Scheidenabsenkung
  • Angeborene Fehlbildung der Geschlechtsorgane
  • Vaginalstenose
  • Hauterkrankungen
  • Geburtsverletzungen
  • Schwäche der Scheidenwand
  • Medikamente

Psychosomatische Ursachen der Dyspareunie:

  • Pelvipathia Spastica
  • Stress
  • Psychische Erkrankungen
  • Konflikte in der Paarbeziehung

Wie wird eine Dyspareunie diagnostiziert?

Um eine Dyspareunie festzustellen, wird zunächst einmal eine ausführliche Anamnese durch einen Gynäkologen erstellt. Die Krankengeschichte und die ausführliche Beschreibung der Schmerzen beim Sex liefern erste Ergebnisse und begründen meist eine Verdachtsdiagnose.

Im Anschluss erfolgt eine gynäkologische Untersuchung. Die äußeren und inneren Geschlechtsorgane werden mittels Koloskopie, vaginaler Sonographie, Abstrich- und Biopsiematerial untersucht. Kann der Arzt körperliche Ursachen für Schmerzen beim Sex ausschließen, rücken mögliche psychische Ursachen in den Mittelpunkt. In diesem Fall ist eine Überweisung zu einem Sexualtherapeuten ratsam.

Wie wird eine Dyspareunie therapiert?

Die Behandlung von Dyspareunie ist immer vom jeweiligen Krankheitsbild abhängig. Es werden daher unterschiedliche therapeutische Methoden eingesetzt. Sind Schmerzen beim Sex nur die sekundäre Erscheinung einer Grunderkrankung, wird diese vorrangig behandelt.

Dyspareunie als Reaktion auf unverträgliche Hygiene- und Verhütungsmaßnahmen sind durch den Wechsel von Intimhygienemitteln und/oder Verhütungsmaßnahmen zu behandeln. Der Gynäkologe steht beratend zur Verfügung.

Bei bakteriellen Infektionen ist meist die Gabe eines wirksamen Antibiotikums ausreichend. Bei hormonell bedingten Schmerzen beim Sex werden Hormonpräparate verschrieben. In einigen Fällen ist die zusätzliche Verwendung eines Gleitgels sinnvoll.