Sexualtherapie


Was ist eine Sexualtherapie?

Eine Sexualtherapie unterstützt Betroffene bei der Behandlung von Störungen, die sich im Sexualverhalten und im sexuellen Erleben äußern. Eine Störung ist immer mit einem individuell ausgeprägten Leidensdruck verbunden. Eine Sexualtherapie wird entweder in einer Praxis oder einer fachverwandten Abteilung in Krankenhäusern angeboten. Die Dauer und die zeitlichen Abstände der Therapieeinheiten richten sich nach der Art und Ausprägung der sexuellen Störung.

Die Kosten einer Sexualtherapie belaufen sich auf 20 bis 80 Euro. Wird ein niedergelassener Arzt mit Kassenzulassung aufgesucht, können die Ausgaben für die Sitzungen in Einzelfällen durch die Krankenkasse zurückerstattet werden. Die Berufsbezeichnung „Sexualtherapeut“ ist nicht gesetzlich geschützt. In der Regel handelt es sich bei den Experten um ausgebildete Mediziner, Psychologen oder Sozialpädagogen, welche sich durch eine Weiterbildung auf diese Thematik spezialisiert haben.

Welche Störungen werden bei einer Sexualtherapie behandelt?

Die Ursachen von sexuellen Beeinträchtigungen sind vielfältig. Neben (frühkindlichen) Traumata und psychischen Krankheiten können ebenso Beziehungsprobleme und körperlichen Probleme für die Entwicklung einer sexuellen Störung ausschlaggebend sein. In Abhängigkeit von der Ursache können Betroffene unterschiedliche therapeutische Angebote in Anspruch nehmen. Sind sexuelle Probleme nur die Begleiterscheinung einer primären psychischen oder physischen Erkrankung, ist der Beginn einer Psychotherapie oder die Behandlung der körperlichen Erkrankung vorrangig.

Störungen, welche bei einer Sexualtherapie behandelt werden können:

  • Sexuelle Unlust und Abneigung und Hemmungen
  • Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erlangen
  • Erektionsstörungen, vorzeitiger oder ausbleibender Samenerguss
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, chronische Unterleibsschmerzen
  • Scheidenkrampf
  • Nachorgastische Störungen, wie Weinen, Depression u.a.
  • Spezielle Neigungen oder Vorlieben, welche große Unsicherheit hervorrufen, wie Homosexualität, Fetischismus, Transvestitismus u.a.
  • Sexsucht
  • Probleme mit der Geschlechtsidentität

Wie gestaltet sich der Therapieablauf bei einer Sexualtherapie?

Das primäre Ziel einer Sexualtherapie ist es, Beeinträchtigungen im sexuellen Erleben von Betroffenen zu vermindern oder zu beseitigen. Eine Sexualtherapie kann als Einzeltherapie stattfinden. Meist ist eine Einbeziehung beider Partner jedoch sinnvoller. Die Behandlung in Deutschland richtet sich überwiegend nach der Therapiemethodik von Masters und Johnson, welche in den 50er und 60er Jahren Pionierarbeit auf dem Gebiet der Paartherapie geleistet haben. Die Therapieeinheiten werden demnach in Paarsitzungen mit begleitenden Einzelsitzungen unterteilt. Nach jeder Therapiestunde werden dem Paar spezielle Übungen für zu Hause genannt. Die daraus gewonnen Erfahrungen sind Gesprächsinhalt der nächsten Sitzung.

Eingangsgespräch/Untersuchung:

Zu Beginn einer jeden Sexualtherapie findet ein Eingangsgespräch mit dem Betroffenen statt. Frage zur Geschichte und Erfahrungen mit der eigenen Sexualität, die Beziehung zu Familienmitgliedern, erlernte Werte, Normen und Bewältigungsstrategien werden thematisiert, um erste mögliche Einsichten in die Ursachen der Störung zu erhalten. Können primäre psychische Erkrankungen, wie Depression, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen u.a. ausgeschlossen werden, kann die Sexualtherapie in Anspruch genommen werden. Als wesentlicher Erfolgsfaktor gilt die Sympathie zwischen Therapeut und Betroffenen. Nach dem Eingangsgespräch werden erste Eindrücke geschaffen. Der Patient wie auch der Therapeut kann beurteilen, ob eine Vertrauensbasis entstehen kann und die Therapie somit erfolgsversprechend verlaufen kann.

Therapieeinheiten:

Bei einer Sexualtherapie sollte in jeder therapeutischen Sitzung ein offener, frei von Hemmungen und Einschränkungen, gestalteter Dialog zwischen Therapeut und Patient stattfinden. Durch gezielte Fragen können erfahrene Therapeuten das Problem erkennen und therapeutisch intervenieren.

Übungen:

Nach jeder Therapieeinheit erhält das Paar als Aufgabe spezielle, auf das jeweilige Problem abgestimmte Übungen, zu Hause zu praktizieren. Schritt für Schritt soll das Paar dahingehend unterstützt werden, die eigene Sexualität wieder neu zu erlernen. Diese Übungen sind Grundlage für die nächste Sitzung.